Modul 4

Lösungsaspekte
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Image by engin akyurt
Freundliches Gespräch

zu A-C

Obwohl Nathan natürlich einen ersten Schritt unternimmt, Recha zu einem kritischen Selbst-verständnis hinzuführen und sie letztlich auch erziehen/belehren möchte, bestreitet er ihre Überzeugung von einer übernatürlichen Rettung nicht, sondern stellt daneben eine alternative psychologische Lesart vor, derzufolge Recha ihren Retter (und ihre Rettung) ganz natürlicherweise idealisiert habe. Insofern spielt er auch nicht mit den Worten. Recha leistet dagegen ganz erheblichen Widerstand. 

Seine behutsame Herangehensweise zeigt, dass Nathan klar ist, dass – im Sinne von Schulz von Thun – die Beziehungsseite der Botschaft als Grundlage für das Gelingen des ganzen Gesprächs gesehen werden muss. Bereits durch seine Antwort in V.5ff. signalisiert er Recha gleich zu Beginn, dass er sie selbst in ihrem Irrglauben respektiert und sie für ein vernünftiges Wesen hält, mit dem man auf Augenhöhe sprechen kann. Nur in einem solchen Gespräch kann Recha sich „gern belehren“ lassen.

zu D-F

Zunächst beschwichtigt Nathan seine erregte Tochter, als diese aber zu ihrer uneinsichtigen Position zurückkehrt, hinterfragt er ihren Wunderbegriff nun direkt und kritisiert ihn in einem Spiel mit dem Wort „Wunder“ (in der eigentlichen, positiv konnotierten und in der neutralen bis negativen Bedeutung von „verwunderlich“). Auf Dajas Einwand hin äußert er einen indirekten Vorwurf der Unbescheidenheit gegen Recha, bevor er argumentativ den Nachweis antritt, dass die ungewöhnlichen Umstände ihrer Rettung auf Fügung verwiesen, die sich gleichwohl weltimmanenter Mittel bediene.

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zu D-F (Fortsetzung)

zu G und H

Die Belehrung, während der nun die Darstellungsfunktion überwiegt, endet schließlich in zwei appellativen (rhetorischen) Fragen, die ebenso Tadel/Kritik („wundersücht'ges Volk“) enthalten wie demonstrativ die Absurdität des naiven Wunderglaubens hervorheben sollen. 

Dass Recha als zu Belehrende in diesem Erziehungsgespräch kein unmündiges, eingeschüchtertes Gegenüber ist, zeigt sich am symmetrischen Verlauf der Kommunikation. Sie gibt ihrem Vater scherzhaft zu verstehen, dass sie ihn durchschaut, gibt ihm aber Widerworte usw. Damit ist für das Gelingen des Gespräches letztlich Nathans Gesprächsverhalten ebenso ausschlaggebend wie die Erziehung, die er seiner Tochter bislang hat angedeihen lassen.

Freundliches Gespräch

Nathans Rede ist vorn allem appellativ (Beschwichtigung, Vorwurf). Selbst wo der darstellende Anteil zunimmt, bleibt diese Tendenz durch die rhetorischen Fragen erhalten. Auf der Beziehungsebene bleibt sie aber „[s]eine[…] Recha“, die zu reiferen Gedanken fähig ist.