Modul 3

Feedback-Texte

Du siehst hier eingereichte Texte zu der Aufgabe von Modul 2 (Gesprächsanalyse).
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1517  RECHA  Wie, Daja, drückte sich mein Vater aus? 
            »Ich dürf' ihn jeden Augenblick erwarten?« 
            Das klingt - nicht wahr? - als ob er noch so bald 
1520  Erscheinen werde. - Wieviel Augenblicke 
            Sind aber schon vorbei! - Ah nun: wer denkt 
            An die verflossenen? - Ich will allein 
            In jedem nächsten Augenblicke leben. 
            Er wird doch einmal kommen, der ihn bringt.

1525  DAJA  O der verwünschten Botschaft von dem Sultan! 
            Denn Nathan hätte sicher ohne sie 
            Ihn gleich mit hergebracht.

            RECHA                                         Und wenn er nun 
            Gekommen, dieser Augenblick; wenn denn 
            Nun meiner Wünsche wärmster, innigster 
1530  Erfüllet ist: was dann? - was dann?

            DAJA                                                         Was dann? 
            Dann hoff ich, dass auch meiner Wünsche wärmster 
            Soll in Erfüllung gehen.

            RECHA                                  Was wird dann 
            In meiner Brust an dessen Stelle treten, 
            Die schon verlernt, ohn' einen herrschenden 
1535  Wunsch aller Wünsche sich zu dehnen? - Nichts? 
            Ah, ich erschrecke! ...

            DAJA                                Mein, mein Wunsch wird dann 
            An des erfüllten Stelle treten; meiner. 
            Mein Wunsch, dich in Europa, dich in Händen 
            Zu wissen, welche deiner würdig sind.

1540  RECHA  Du irrst. - Was diesen Wunsch zu deinem macht, 
            Das nämliche verhindert, dass er meiner 
            Je werden kann. Dich zieht dein Vaterland: 
            Und meines, meines sollte mich nicht halten? 
            Ein Bild der Deinen, das in deiner Seele 
1545  Noch nicht verloschen, sollte mehr vermögen, 
            Als die ich sehn, und greifen kann und hören, 
            Die Meinen?

            DAJA              Sperre dich, soviel du willst! 
            Des Himmels Wege sind des Himmels Wege. 
            Und wenn es nun dein Retter selber wäre, 
1550  Durch den sein Gott, für den er kämpft, dich in 
            Das Land, dich zu dem Volke führen wollte, 
            Für welche du geboren wurdest?

            RECHA                                                   Daja! 
            Was sprichst du da nun wieder, liebe Daja! 
            Du hast doch wahrlich deine sonderbaren 
1555  Begriffe! »Sein, sein Gott! für den er kämpft!« 
            Wem eignet Gott? was ist das für ein Gott,                                             

            Der einem Menschen eignet? der für sich 
            Muss kämpfen lassen? - Und wie weiß 
            Man denn, für welchen Erdkloß man geboren, 
1560  Wenn man's für den nicht ist, auf welchem man 
            Geboren? - Wenn mein Vater dich so hörte! -
            Was tat er dir, mir immer nur mein Glück 
            So weit von ihm als möglich vorzuspiegeln? 
            Was tat er dir, den Samen der Vernunft, 
1565  Den er so rein in meine Seele streute,  
            Mit deines Landes Unkraut oder Blumen 
            So gern zu mischen? - Liebe, liebe Daja, 
            Er will nun deine bunten Blumen nicht 
            Auf meinem Boden! - Und ich muß dir sagen, 
1570  Ich selber fühle meinen Boden, wenn 
            Sie noch so schön ihn kleiden, so entkräftet, 
            So ausgezehrt durch deine Blumen; fühle 
            In ihrem Dufte, sauersüßem Dufte, 
            Mich so betäubt, so schwindelnd! - Dein Gehirn 
1575  Ist dessen mehr gewohnt. Ich tadle drum 
            Die stärkern Nerven nicht, die ihn vertragen. 
            Nur schlägt er mir nicht zu; und schon dein Engel,                                  

            Wie wenig fehlte, daß er mich zur Närrin 
            Gemacht? - Noch schäm ich mich vor meinem Vater 
1580  Der Posse!                                                                                                              

            DAJA            Posse! Als ob der Verstand 
            Nur hier zu Hause wäre! Posse! Posse! 
            Wenn ich nur reden dürfte!

            RECHA                                        Darfst du nicht? 
            Wenn war ich nicht ganz Ohr, sooft es dir 
            Gefiel, von deinen Glaubenshelden mich 
1585  Zu unterhalten? Hab ich ihren Taten 
            Nicht stets Bewunderung; und ihren Leiden 
            Nicht immer Tränen gern gezollt? Ihr Glaube 
            Schien freilich mir das Heldenmäßigste 
            An ihnen nie. Doch so viel tröstender 
1590  War mir die Lehre, dass Ergebenheit 
            In Gott von unserm Wähnen über Gott                                                              

            So ganz und gar nicht abhängt. - Liebe Daja, 
            Das hat mein Vater uns so oft gesagt; 
            Darüber hast du selbst mit ihm so oft 
1595  Dich einverstanden; warum untergräbst 
            Du denn allein, was du mit ihm zugleich 
            Gebauet? - Liebe Daja, das ist kein 
            Gespräch, womit wir unserm Freund am besten 
            Entgegensehn. Für mich zwar, ja! Denn mir, 
1600  Mir liegt daran unendlich, ob auch er ... 
            Horch, Daja! - Kommt es nicht an unsre Türe! 
            Wenn Er es wäre! horch!

(1)
Gesprächsanalyse zu III, 1 (V. 1517-1602)

Intentionen:

  • Recha: möchte Daja zeigen, dass sie nicht weiß was nach dem Tempelherr geschehen wird und hinterfragt Dajas Gottesbild

  • Daja: möchte Recha überzeugen nach Europa zu gehen

1517-1524:

  • Sprachhandlung: Mitteilung; Zweck: Daja ihre Angst mitteilen

  • Sprechweise: rhetorische Fragen, Wortwiederholung „Augenblick“, Pausen

  • Argumentationsstrategie: hofft auf Bestätigung/Unterstützung von Daja

1525-1527:

  • Sprachhandlung: Erläuterung; Zweck: Angst ausdrücken, indem sie hinterfragt was passiert, falls ihre Wünsche erfüllt sind

  • Sprechweise: Ausruf

  • Argumentationsstrategie: beruhigen durch: beweisen, dass Tempelherr schon da wäre

1528-1530:

  • Sprachhandlung: hinterfragen; Zweck: Mitteilung von Angst

  • Sprechweise: rhetorische Frage, Pause

  • Argumentationsstrategie: ängstlich/provokant hinterfragen und auf einen Tipp hoffen

1531-1532:

  • Sprachhandlung: Forderung; Zweck: möchte Recha zeigen, dass sie auch auf eine Erfüllung ihres Wunsches hofft

  • Sprechweise: Wiederholung der Frage

  • Argumentationsstrategie: Recha beweisen, dass, wenn Rechas Wünsche erfüllt werden sollten, ihre Wünsche auch erfüllt werden sollten

1533-1536:

  • Sprachhandlung: Überlegung; Zweck: ironisch Gefühle ausdrücken

  • Sprechweise: rhetorische Frage, Pause

  • Argumentationsstrategie: hofft auf Unterstützung

1537-1539:

  • Sprachhandlung: Ankündigung; Zweck: Recha Erwartungen mitteilen

  • Sprechweise: Wiederholung von „mein“ und „dich“, Kontrast mein und dein

  • Argumentationsstrategie: setzt auf eine Bestätigung von Recha

1540-1547:

  • Sprachhandlung: Feststellung; Zweck: Daja zeigen, dass es nicht ihren Wünschen entspricht

  • Sprechweise: rhetorische Frage, provokant/empört, Wiederholung „meines“

  • Argumentationsstrategie: setzt auf Einsicht Dajas

1548-1551:

  • Sprachhandlung: Erklärung; Zweck: Recha ihre Einstellung/Position erläutern

  • Sprechweise: Ausruf, Wiederholung „des Himmels Wege“, rhetorische Frage

  • Argumentationsstrategie: möchte Recha auf ihre Seite und zum Nachdenken bewegen

1552-1580:

  • Sprachhandlung: Erläuterung; Zweck: Gegenargumentation

  • Sprechweise: rhetorische Fragen, Ausruf, Wiederholung „Liebe“, Metapher

  • Argumentationsstrategie: Daja entkräften/überzeugen

1581-1582:

  • Sprachhandlung: Feststellung; Zweck: Argument: wenn sie sich erläutern könnte, würde Recha das anders sehen

  • Sprechweise: Wiederholung „Posse“, Ausruf

  • Argumentationsstrategie: Provokation Rechas und Herausforderung

1583-1602:

  • Sprachhandlung: Erklärung; Zweck: möchte Daja zeigen, dass, wie man sich Gott hingibt, nichts über die Art und Weise, wie man sich äußert, aussagt

  • Sprechweise: rhetorische Fragen, Ausruf, Pausen

  • Argumentationsstrategie: möchte Daja überzeugen und Konflikt beenden

Textgrundlage:
III, 1 (V. 1517-1602)

(2)
Gesprächsanalyse zu III, 1 (V. 1517-1602)

(1) Intentionen: Daja und Recha warten auf den Tempelherren, in diesem Zusammenhang habe sie das Ziel, dass Recha und der Tempelherr heiraten. Daraufhin haben die beiden die Intention mit nach Europa zu können.

(2) genauere Betrachtung der Redepassagen von Daja und Recha:

Recha (V. 1517-1524): klingt wie ein Monolog; viel hinterfragt; wirkt verunsichert; unklare Ausdrucksweise; nutzt rhetorische Mittel; Enjambement

Daja (V. 1525-1527): aussagekräftig; Enjambement

Recha (V. 1528-1530): Betonung; Wiederholung; Enjambement; Aufzählung; 

rhetorische Frage; am Ende hinterfragen/Verunsicherung

Daja (V. 1531- 1532): Enjambement; Monolog; gibt sich selbst eine Antwort; rhetorische Frage

Recha (V. 1533-1536): Enjambement; ist erschrocken; stellt sich rhetorische Fragen; gibt sich selbst eine unsichere Antwort

Daja (V. 1537-1539): Enjambement; Wiederholung; sehr of das Wort ,,mein”

Recha (V. 1540-1547): Enjambement; erklärt; Wiederholungen; stellt Fragen

Daja (V. 1548-1552): thematisiert Gott; Enjambement; Wiederholungen; Frage am Ende

Recha (V. 1553-1580): Enjambement; langer Abschnitt; thematisiert Gott; Wiederholungen; rhetorische Fragen; viel Kommasetzung

Daja (V. 1581-1582): aneinandergereihte Aussagesätze; Verunsicherung in Kombination mit Sicherheit; Ungleichgewicht

Recha (V. 1583-1602): längerer Abschnitt; Enjambement; rhetorische Fragen; Ausruf Sätze; Anapher; hoffnungsvoll; lange aneinandergereihte Sätze

(3)
Gesprächsanalyse zu III, 1 (V. 1517-1602)

Intentionen:

  • Recha: macht deutlich, dass ihr größter Wunsch der sei, dem Tempelherrn nun zu begegnen - will Daja erklären, dass sie dort, wo sie geboren ist, auch hingehört, denn wo sonst sollte man hingehören, wenn nicht auf den Teil der Erde, wo man geboren ist

  • Daja: will, dass Recha und der Tempelherr heiraten und hofft, dass er sie dann beide mit nach Europa nimmt - findet, dass Recha für das Land des Tempelherrn geboren wurde

Gesprächsanalyse:

  •  1517-1524: Frage - Wiederholung von den Worten ihres Vaters - erwartet sehnlichst den Tempelherrn - Ausruf verdeutlicht ihre Empörung über die lange Zeit, die sie schon wartet

  • 1525-1527: Ausruf - laut ihr sei die Botschaft des Sultan schuld, dass Nathan ihn nicht direkt mitgebracht hat

  • 1528-1530: den Tempelherr zu sehen, ist Rechas größter Wunsch - stellt Daja die Frage, was ist, wenn dieser Wunsch in Erfüllung geht —> will, dass Daja auf ihren Wunsch eingeht

  • 1531-1533: dann soll auch Dajas Wunsch in Erfüllung gehen

  • 1534-1536: Recha fragt sich, was dann an Stelle dieses Wunsches in ihrer Brust P,atz nimmt —> verdeutlicht die Größe ihres Wunsches und wie sehnlichst sie es erwartet, dass sie sich nichts mehr anderes vorstellen kann - hat Angst davor, dass dieser Platz dann leer bleibt

  • 1537-1539: laut Daja tritt ihr Wunsch dann an diese Stelle - Betonung, dass es ihr Wunsch ist, durch die Wiederholung des Wortes „mein“ - Metapher „dich in Händen zu wissen“ —> sie will Recha in einem Umfeld und bei Leuten Wissen, welche ihr würdig sind

  • 1540-1548: Recha findet, dass dieser Wunsch allein Daja gehört, da in Europa ihr Vaterland liegt - Rechas Vaterland aber ist in Jerusalem und dort hält es sie —> egoistisches Verhalten von Daja

  • 1549-1552: „des Himmels Wege sind des Himmels Wege“ —> es wird sich fügen und wenn Recha für Europa bestimmt ist, wird sie auch dort hingelangen

  • 1553-1580: Recha ist ein wenig entsetzt über das, was Daja gesagt hat - spricht an, dass ihr Vater das nicht gut fände, wenn er wüsste, was sie erzählt - Metapher „Unkraut und Blumen“ - mehrere Fragen

  • 1581-1583: Daja fühlt sich unterdrückt - Wiederholung „Posse"

  • 1584-1602: Recha ist wütend über den Vorwurf und sagt, dass sie Daja schon immer zugehört hat - Daja erzählt anderes, als sie mit Nathan gesprochen hat

(4)
Gesprächsanalyse zu III, 1 (V. 1517-1602)

(5)
Gesprächsanalyse zu III, 1 (V. 1517-1602)

Intentionen:

  • Daja: Recha davon überzeugen, dass mit dem Tempelherr ihr größter Wunsch erfüllt sei und sie endlich nach Europa komme, wo sie ihrer Meinung nach hingehört.

  • Recha: Daja zu erklären, dass sie Angst hat ihr Wunsch nach dem Tempelherr werden erfüllt und sie empfinde danach leeren und ihr darzulegen, dass sie ihre Vorstellung von Gott nicht teilt

Gesprächsanalyse:

V. 1517-1524:

  • Sprechhandlung: Bitte; Zweck: bittet Daja zu bestätigen, dass Tempelherr nun kommt

  • Ausdrucksweise: viele Pausen (-), rhetorische Fragen und darauf Antworten, Wortwiederholung (,,Augenblick")

  • Argumentationsstrategie: will durch lauter Fragen erreichen, dass Daja ihr Aufmerksamkeit schenkt und bestätigt, dass Tempelherr kommt

V. 1525-1527:

  • Sprechhandlung: Feststellung; Zweck: erklärt Nathan ist bei Sultan, sonst hätte er Tempelherr mitgebracht

  • Ausdrucksweise: Ausruf (O), durch Ausruf wird erklärt, warum Tempelherr noch nicht da ist

  • Argumentationsstrategie: will Recha erklären, Botschaft von Sultan ist schuld, dass Tempelherr noch nicht da ist

V. 1528-1529:

  • Sprechhandlung: Wunsch; Zweck: Sorge, was, wenn Wunsch erfüllt ist

  • Ausdrucksweise: Wiederholung Frage (,,was denn?")

  •  Argumentationsstrategie: Unsicherheit zeigen, welche sie verspürt

V. 1530- 1532:

  • Sprechhandlung: Hoffnung; Zweck: ihr Wunsch soll dadurch auch erfüllt werden

  • Ausdrucksweise: Frage und Antwort

  • Argumentationsstrategie: Recha beeinflussen

V. 1533- 1536:

  • Sprechhandlung: Ausdruck von Gefühlen; Zweck: befürchtet, keinen Wunsch mehr zu haben

  • Ausdrucksweise: Pause (-), Fragen= Unsicherheit

  • Argumentationsstrategie: Unsicherheit zeigen, will Daja beruhigen

V. 1537- 1539:

  • Sprechhandlung: Hoffnung; Zweck: ihr Wunsch soll erfüllt werden

  • Ausdrucksweise: Wiederholung (,,Mein Wunsch")

  • Argumentationsstrategie: Recha beeinflussen

V. 1540- 1546:

  • Sprechhandlung: Erklärung; Zweck: Daja Wunsch kann nicht ihrer sein

  • Ausdrucksweise: wählt Worte so, dass Daja versteht, ihre Sicht ist nicht mehr wert, als Rechas

  • Argumentationsstrategie: erklärt, Daja Wunsch kann nicht ihrer sein, da Daja Vaterland nicht ihres ist

V. 1547-1552:

  • Sprechhandlung: Betonung; Zweck: zeigen, dass Recha für Europa geboren sei

  • Ausdrucksweise: schnelles Tempo, viel Infos, Bezug zu Gott, Schicksal (Wörter dieses Wortfelds)

  • Argumentationsstrategie: durch Glaube und Schicksal naives Mädchen überzeugen

V. 1553-1579:

  • Sprechhandlung: Ablehnung; Zweck: Daja klarmachen, dass sie ihre Vorstellung von Gott nicht teilt

  • Ausdrucksweise: Wiederholung des Gesagten von Daja , viele Pausen (-), Fragen und Antworten, Vergleich Gott und Glaube mit Blumen

  • Argumentationsstrategie: will Daja überzeugen, dass man für Gott nicht kämpfen muss und ihr zeigen, dass sie nicht naiv ist

V. 1580- 1582:

  • Sprechhandlung: Ablehnung; Zweck: Verhöhnung des Gesagten von Recha, Wut darüber, sie dürfe nicht sprechen

  • Ausdrucksweise: Pausen (-), Wiederholung (,,Posse") = Verhöhnung dessen

  • Argumentationsstrategie: Recha zeigen, sie sei naiv

V. 1583- 1602:​

  • Sprechhandlung: Erinnerung; Zweck: erinnert Daja daran, dass sie immer von ihrem Glaube sprechen durfte, er jedoch anders erscheint

  • Ausdrucksweise: Erwähnung von Vergangenem, viele Fragen, erinnert Daja durch direkte Anrede (,,Liebe Daja")

  • Argumentationsstrategie: will durch Fragen und Anreden sichergehen, dass Daja sich erinnert und ihrer Meinung eines nicht verurteilenden Gottes ist

Ziele bzw. Intentionen dieses Gespräches:

Dajas Ziel ist es, dass Recha mit dem Tempelherr nach Europa geht, denn sie ist laut ihr dort besser aufgehoben.

Recha hingegen möchte nicht nach Europa, sondern in ihrem Vaterland bleiben. Außerdem ist sie voller Sorge, denn der Tempelherr wollte sie besuchen, doch ist noch nicht erschienen. Recha hingegen beweist auch, dass sie sehr ähnlich wie Nathan ist, denn sie glaubt nicht daran, dass es nur eine Religion gibt oder das Europa ‚würdiger‘ ist als ihr Vaterland.

Sprechhandlungen sowie Sprech- und Ausdrucksweisen der Figuren:

Beide warten auf die Ankunft des Tempelherrn. Daja verdeutlicht durch ihre zu Gott gebundene Ausdrucksweise, wie sehr sie sich wünscht, dass Recha und der Tempelherr zusammen nach Europa gehen. Ihren Wunsch äußert Daja in einem sehr egoistischen Ton, denn sie bezieht es die ganze Zeit auf sich selbst: ‚Mein, mein Wunsch.... meiner‘ (Vers 1531-1537). Ebenfalls benutzt sie auch eine Metapher ‚in meinen Händen' (Vers 1539), dadurch wird deutlich, wie sehr sie sich eine Ehe zwischen Recha und dem Tempelherr wünscht.

Am Anfang des Dialogs wiederholt sich Recha auch ständig: ‚was dann?' (Vers 1530) Dabei geht sie auch gar nicht auf Rechas Sorgen zur Zukunft ein, sondern denkt nur an ihre Pläne für Recha.

Recha hingegen wirkt in diesem Auftritt viel ausdrucksvoller und emotionaler als Daja. Am Anfang ist Recha wie man sie kennt, sie hat Daja als Vorbildfunktion und möchte wie sonst auch einen Rat von ihr hören. Dies wird deutlich, da sie Daja ganz persönlich anspricht (vgl. Vers 1517-1522). Ebenso wird auch deutlich, dass Recha sehr ahnungslos ist, denn sie stellt Daja Fragen und wiederholt sich dabei auch: ‚Und wenn er gekommen, dieser Augenblick,wenn denn... Nun meiner Wünsche wärmster, innigster Erfüllet ist was dann? Was dann?‘ (Vers 1528-1530)

Auf Dajas Wunsch reagiert Recha sehr emotional, sie fragt in einer Personifikation: ‚was wird dann in meiner Brust an dessen Stelle treten, Die schon verlernt, ohn einen herrschenden Wunsch alle Wünsche sich zu sehen? Nichts?' (Vers 1533-1535) In dieser Zeile wird noch einmal verdeutlicht, dass Recha große Sorge und Angst um ihre vorliegende Zukunft hat, da sie sich ihre Zukunft schon ausgedacht hat und dadurch große Angst vor der Wirklichkeit hat.

Nach Dajas Predigt über Rechas Zukunft wird Rechas Ausdrucksweise eher wütender und sie benutzt mehrere Antithesen wie zum Beispiel das Zusammenspiel zwischen ‚mein‘ und ‚dein‘ oder auch ‚Du irrst— was diesen Wunsch zu deinem macht, Das nämlich verhindert, dass er meiner Je werden kann.‘ (Vers 1540-1542) Dadurch erkennt Recha Dajas egoistische Denkweise, sie zeigt Daja deutlich, dass sie nichts von ihrer Denkweise denkt und dass sie nichts davon hält, da sie von Nathan erzogen wurde, dass die Religion keine Rolle spielt. Hierbei zeigt Daja auch, dass sie nun viel selbstsicherer ist als am Anfang.

Am Schluss wird noch deutlich, dass Daja von Rechas Natur Predigt nicht begeistert ist, da Recha dort viel anspricht und Daja kritisiert. Nachdem Daja sich wütend wiederholt bei dem Wort ‚Posse‘, versucht Recha sie trotzdem zu beruhigen mit den Worten ‚Liebe Daja‘ (Vers 1592). Hier wird deutlich, dass Recha nicht böse oder abneigend gegenüber Daja ist, sie versucht nur ihre Meinung zu vertreten. Sie zeigt Daja damit, dass sie sie trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten wertschätzt und nicht verachtet.