Modul 2

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Was tun, wenn sie sprechen? Sprechhandlungen benennen und analysieren

Was ist ein Sprechakt?

Wie kann ich Sprechakte differenziert benennen?

Was ist bei einer Gesprächsanalyse zu beachten? 

Image by eskay lim
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Sprechakte und
Sprechhandlungen benennen

Sprechen ist eine Handlung mit sprachlichen Mitteln, d. h. der Sender einer verbalen Nachricht handelt: Er führt einen Sprechakt aus. Ein Sprechakt ist somit eine sprachliche Äußerung, die nach den Konventionen der Sprachgemeinschaft einen bestimmten Typ einer sprachlichen Handlung darstellt. Beispiele für Sprechakte sind: jemanden um etwas bitten, jemandem etwas verzeihen oder jemandem drohen. In der Regel kann jeder Sprechakt mit Verben aus dem Wortfeld ,,sagen/sprechen" recht treffend beschrieben werden.

Stark vereinfacht sind bei einem Sprechakt mindestens zwei Ebenen und Bedingungen zu unterscheiden:

  • Der Sprecher bildet einen Satz (seinen Sprechakt) nach den Regeln des Sprach-systems, in dem er agiert. (Andernfalls würde er nicht verstanden.)

  • Er äußert den Satz (seinen Sprechakt) in einer Situation, in der bestimmte sozial relevante Bedingungen erfüllt sind (andernfalls wird der Sprechakt vermutlich scheitern oder nicht aufrichtig sein), und verfolgt damit einen Zweck, der daraus (in der Sprachgemeinschaft) erkennbar wird. (Andernfalls wird er vermutlich missverstanden.)

Ein Beispiel: Person A sagt zu Person B: ,,Das hast du ja toll hinbekommen!"

  • Der Satz (Sprechakt) ist nach den Regeln des Sprachsystems verständlich.

  • Vermutlich möchte Person A Person B loben - das ist der Sprechakt und der Zweck.
    Sollte das, was Person B ,,hinbekommen" hat, jedoch gar nicht gelungen oder zum Nachteil von Person A sein (Änderung der sozial relevanten Bedingungen), ist die Aussage von Person A möglicherweise ironisch oder sogar höhnisch gemeint. In diesem Fall wäre der Sprechakt natürlich nicht loben, sondern eben kritisieren oder verhöhnen.

Sprechakte können z. B. sein: Ankündigungen und Mitteilungen, Feststellungen und Erklärungen (z. B. behaupten, versichern, kundtun, darlegen), Warnungen und Drohungen, Erinnerungen, Betonungen (auf etwas bestehen, etwas hervorheben), Bitten, Befehle und Wünsche (z. B. zwingen, auffordern, anordnen), Vorschläge, Versprechen, Zustimmungen und Ablehnungen, Zugeständnisse und Eingeständnisse, Ausdruck von Gefühlen (z. B. hoffen, befürchten, sich wundern, bedauern).

Gesprächsanalyse

Da ein dramatischer Text praktisch nur aus wörtlicher Rede in Monologen und/oder Di​alogen besteht, umfasst die Analyse eines dramatischen Textes immer auch eine Gesprächsanalyse.

Bei einer Gesprächsanalyse sind folgende Aspekte zu beachten:

  • (Mindestens) Ausgewählte Sprechakte der Figuren sollten dargelegt und erläutert werden.

  • Die Absichten der beteiligten Figuren müssten herausgearbeitet werden.

  • Die Gesprächs-/Argumentationsstrategien sollten offengelegt werden.

  • Der jeweilige Umfang der Redeanteile sowie evtl. Veränderungen darin sollten beachtet werden.

  • Das Verhältnis der Gesprächspartner:innen zueinander sowie die derzeitige Situation/Lage, in der das Gespräch geführt wird, müssten dargelegt werden.

  • Die in/aus dem Gespräch vermittelten oder erschließbaren Gefühle sowie Charaktereigenschaften der Figuren sollten erschlossen werden.

Die Benennung der Sprechhandlung (des Sprechakts) und die Analyse ihrer argumentativen Absicht überschneiden sich manchmal. Dennoch ist es ratsam, beides zunächst zu unterscheiden, da ein Sprechakt je nach Gesprächskontext sehr verschiedene Ziele verfolgen und häufig sehr unter-schiedliche Wirkungen erzielen kann. Um zu entscheiden, welche Absicht und Argumentationsstrategie eine Figur mit ihren Sprechakten verfolgt, müssen zusätzlich die Bedingungen der Gesprächssituation berücksichtigt werden - also: die Situation/Lage, das Verhältnis der Gesprächspartner:innen, ihre übergeordneten Ziele/Intentionen in dem Moment, ihr Charakter und ihr Weltbild.

In einem dramatischen Text können Funktionen von Figurenreden z. B. sein:

  • Einführung und Vermittlung des Handlungszusammenhangs,

  • Nachtrag einer Vorgeschichte,

  • Spannungssteigerung durch Andeutungen,

  • direkte oder indirekte Selbstcharakterisierung,

  • direkte oder indirekte Charakterisierung anderer Figuren,

  • Einwirkung auf andere Figuren sowie deren Denken und Handeln,

  • Beurteilung von Situationen,

  • Vermittlung von inneren Vorgängen (z. B. Gefühle, Stimmungen) und

  • Verdeutlichung der Beziehung zu anderen Figuren.

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.​

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