Modul 1

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Welche Besonderheiten gibt es bei dramatischen Texten?

Welche Auffälligkeiten lassen sich in Nathans Monolog (III, 6) feststellen?

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Besonderheiten
dramatischer Texte

  • Einteilung in Akte/Aufzüge sowie Auftritte/Szenen, nicht in Kapitel und Unterkapitel

  • (fast) nur wörtliche Rede der Figuren - es gibt keine:n Erzähler:in

  • Einteilung des Texts in...

    • Haupttext: vor allem Dialoge und Monologe​

    • Nebentext: alles andere wie z. B. Titel, Untertitel, Figurenverzeichnis sowie vor
      allem Szenen- und Regieanweisungen (meist in kursiver Schrift gesetzt); der Nebentext ist eine Art epische Erzähltechnik

  • Unterscheidung der Handlungen in...

    • äußere Handlung: alle Aktionen, die auf der Bühne (oder anderen Schauplätzen) stattfinden

    • innere Handlung: Vorgänge oder Entwicklungen, die sich im Inneren der Figuren abspielen; auch: Vorwegnahmen/Vorausdeutungen, die szenisch nicht darstellbar sind

    • offene Handlung: (auf der Bühne) sichtbare Handlungen

    • verdeckte Handlung: Handlung, die auf der der Bühne nicht dargestellt wird und dem Publikum über die Figurenrede vermittelt wird

  • Unterscheidung der Figurenrede in...

    • Monolog​: Selbst-/Reflexionsgespräch ohne Adressaten

    • Dialog: Rede und Gegenrede von zwei oder mehr Figuren

    • Stichomythie: schnelle, scharfe Rede und Gegenrede von zwei Figuren

    • Botenbericht: Bericht einer Figur über zentrale Ereignisse, die stattgefunden haben (und die nicht auf der Bühne gezeigt werden)

    • Mauerschau: Live-Bericht einer Figur über simultan stattfindende Vorgänge, die aber nicht (gut) auf der Bühne darstellbar sind (z. B. Schiffskatastrophe)

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Auffälligkeiten in III, 6
(Monolog Nathans)

  • Monolog Nathans; es gibt keinen direkten Adressaten
    (Deutungsansatz: Selbstgespräch als Selbstreflexion)

  • Vermutung/Hypothese: Im Verlauf dieses Monologs gewinnt Nathan Gewissheit und Selbstsicherheit.
     

  • zweimalige Verwendung des Partikels ,,Hm" zu Beginn
    (Deutungsansatz: Ausdruck kurzfristiger Verwunderung und/oder Ratlosigkeit)

  • zahlreiche Fragen und selbst gegenebene Antworten
    (Deutungsansatz: Ausdruck eines Reflexions- und Erkenntnisprozesses)

  • mehrmals Gedankenstriche (= Pausen)
    (Deutungsansatz: Ausdruck des Überlegens, der Reflexion)

  • Selbstverbesserung (Correctiones) (vgl. V. 1880)
    (Deutungsansatz: Ausdruck eines Reflexionsprozesses)

  • Satzellipsen (vgl. z. B. V. 1877f)
    (Deutungsansatz: Ausdruck eines laufenden Denkprozesses; einer Reflexion)

  • Wortwiederholungen
    (Deutungsansatz: Ausdruck eines laufenden Denkprozesses; einer Reflexion)

  • bildhafte Sprache (vgl. z. B. V. 1881ff, V. 1889f)
    (Deutungsansatz: Mittel der wachsenden Erkenntnis; Verdeutlichung; evtl. auch Emotionalität)

  • eher gelassene Sprache/Ausdrucksweise am Ende (ab ca. V. 1888)
    (Deutungsansatz: Hinweis auf eine Entwicklung Nathans)

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