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Gegen die Denkbarrikaden im Kopf: alternative Prüfungsformate
,,Academia's way of accounting focuses on tests of individual performance in strict, austere isolation from cooperation with others or use of resources or tools outside the learner's head. The role of collaboration or technology in learning is placed in the category of cheating. This mythical and misguided vision is, fortunately, being eroded by a mass of social and cognitive science findings that there are limits to what can be learned alone, and that the most effective and useful learning is a shared enterprise." Nein, diese kritischen Zeilen über die seltsamen Bedingungen, die das schulische Lernen meist bestimmen und vor allem unter denen schulische Leistungsüberprüfungen bis heute ablaufen, sind keineswegs neu. Der amerikanische Wissenschaftler Lewis Perelman schrieb sie bereits 1992, vor rund 27 Jahren, in seinem Werk ,,School's Out. Hyperlearning, the New Technology, and the End of Education" (S. 155f). Bis heute werden die Kompetenzen Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität, die von der OECD kürzlich zu den Kernkompetenzen des 21. Jahrhunderts ausgerufen wurden (siehe z. B. hier) und die die Aspekte der Kultur des heutigen mobilen Lernens darstellen, im schulischen Lernen wenig beachtet und teils sogar unter Strafe gestellt. Und auch in beliebten Fernsehformaten wie etwa dem ,,Quiz-Champion"gilt derjenige als besonders schlau, der in der Lage ist, teils absurde Inhalte auswendig und ohne Hilfsmittel zu reproduzieren.
Dabei sieht Wissen im Zeitalter des mobilen Lernens ganz anders aus. Daten und Informationen sind mehr oder weniger frei und in Sekundenschnelle verfügbar, und reines Auswendigwissen geht nicht über den Status von Information hinaus. Zum ,,Wissen" werden Informationen erst in der (komplexen) Anwendung - und die wiederum erfolgt heutzutage längst nicht mehr isoliert im stillen Kämmerlein, sondern kommunikativ und kollaborativ. Wäre es also nicht auch an der Zeit, dass Schule beginnt, sich endlich den neuen Arbeitsweisen und Herausforderungen zu stellen? Wäre es nicht an der Zeit, dass wir das, was wir im Unterricht schon heute oft umsetzen - nämlich z. B. kollaboratives Arbeiten -, auch in Prüfungsformaten abbilden? Wäre es nicht längst an der Zeit, Leistungs-feststellungen, die Prüflinge stundenlang in völliger Isolation bewältigen sollen, auf ihre Sinnhaftigkeit wie Zeitgemäßheit zu hinterfragen? Vieles ist schon heute möglich, die Barrikaden existieren meist nur im Kopf. Mit der Entwicklung alternativer Prüfungsformate im Fach Deutsch beschäftigt sich in unregelmäßigen Abständen der Blog. Haben Sie Ideen? Dann machen Sie mit!
Kommen wir ins Gespräch miteinander!
Neuigkeiten und Informationen
Digitalisierung
Viel mehr als Whiteboards,
iPads und Lernapps

,,Ich möchte in meinem Unterricht nicht nur digitale Medien nutzen." - ,,Wenn ich iPads im Unterricht einsetze, muss das schon einen Mehrwert haben!"

Aussagen, wie sie in jüngerer Zeit wieder häufiger an Schulen zu vernehmen sind. Der sogenannte ,,Digitalpakt" beschert Schulen Gelder für ihre digitale Ausstattung, und die meisten Bildungseinrichtungen investieren in Hardware: Die Verkaufszahlen von Whiteboards, iPads und Beamern gehen steil nach oben. Doch Aussagen wie Handlungsweisen offenbaren, dass der Wandel, vor dem Schule im Zeitalter des mobilen Lernens steht, weder erkannt noch be-griffen wird. Nur oberflächlich betrachtet, geht es um den puren Einsatz digitaler Medien; geht es darum, dass es plötzlich so viel einfacher möglich ist, digitale Inhalte, aber auch Arbeitsergebnisse von Schüler*innen weiterzu-geben. Genauer durchdacht, ändern die Möglichkeiten des mobilen Lernens vielmehr Ziele und Arbeitsweisen - und zwar in einem Ausmaß, der getrost als Paradigmenwechsel be-zeichnet werden kann. Es geht primär gar nicht um Whiteboards, iPads, Lernapps und Mehrwert - es geht um eine völlig andere Arbeitskultur der Kommunikation und Kollaboration.

Artikel von Axel Krommer zum Thema: hier.

Unterrichtsplanung
Didaktische Funktionen
von Unterrichtseinstiegen

Didaktische Funktionen von Unterrichts-einstiegen lassen sich grundsätzlich in vier Hauptintentionen differenzieren:

  • orientieren (wechselseitig - durchaus auch die Lehrkraft kann sich orientieren),

  • motivieren,

  • informieren (inhaltlich über das Thema),

  • erwarten (welches Problem gilt es zu lösen; was soll bearbeitet werden; wie soll das Thema bearbeitet werden).

Dabei sollte stets zwischen Stundeneröffnungen und Unterrichtseinstiegen unterschieden wer-den. Während die Stundeneröffnung noch nicht unbedingt etwas mit dem Unterrichtsgegen-stand zu tu hat, sondern häufig ritualisiert der Schaffung einer ruhigen und entspannten Atmo-sphäre dient, dient der Unterrichtseinstieg dem Einstieg in ein (neues) Thema.

Problemorientierung 
Ein Baustein auch des modernen Deutschunterrichts

Die Problemorientierung, eine Variante des entdeckenden Lernens, stellt ein didaktisches Prinzip modernen Unterrichts dar. Obwohl dieses Prinzip in der jüngeren Didaktik schon länger als sinnvoller, oft gar elementarer Bestandteil zeitgemäßen Unterrichts angesehen wird und im naturwissenschaftlichen Unterricht längst Alltag ist, beginnt sich dieses Prinzip im sprachlichen Unterricht erst seit jüngerer Zeit durchzusetzen. Insbesondere für den Deutsch- unterricht liegt hierin auch die Chance, Lernen- den über die Problemorientierung transparent zu zeigen, aus welchem Grund und mit welcher Zielsetzung bestimmte Inhalte und Methoden thematisiert werden. Doch immer wieder wird kritisch angeführt, dass sich Probleme oft nur mühsam kreieren ließen, diese allzu ,,konstru-iert" und damit ,,künstlich'' seien oder es sogar komplett unmöglich sei, Problemstellungen für den Unterricht zu bilden - etwa im Grammatik-unterricht.  Doch ist das wirklich so? Muss das wirklich so sein? Oder steckt hinter dieser Kritik einerseits nicht nur eine allzu eingeschränkte Definition von ,,Problem'', das ja ebenso eine These sein kann, sowie auch ein grundlegendes Missverständnis modernen Unterrichts, das weiterhin meint, vor allem Wissen vermitteln anstatt Probleme lösen zu müssen?

Referendariat 
Eine zweite Phase ohne
Noten - Utopie und Chance

Während in vielen Ländern und Schulen an alternativen Bewertungsmodellen gearbeitet wird - und solche Modelle teils auch schon um-gesetzt werden (Beispiel Hessen: hier) -, werden angehende Lehrer*innen im Rahmen ihres Zweiten Staatsexamens noch immer alternativ-los mit Schulnoten - 1, 2, 3, 4, nicht bestanden - bedacht. Vielerorts sind hierbei nicht einmal (mehr) differenzierende Notenstufen (wie 3+ oder 2-) möglich. Dies führt zu einer absurden Schieflage: Während wir angehende Lehrer*in-nen in den Schulen dazu anhalten, sich gemein-sam mit ihren Schüler*innen über andere Be-wertungsformate Gedanken zu machen, stehen sie selbst unter der Knute einer starren Noten-gebung. Dabei wären andere Bewertungen möglich - und sinnhaft. - Gedanken von Fachleiterin Monika Heusinger zum Thema: hier.

Könige und Kommata
 

Mit Verben als Königen, Satzteilen als Königreichen und weiteren (Wort-)Untertanen ganz spiele-risch die deutsche Zeichen-setzung erlernen - diese Möglich-keit eröffnet das Unterrichts-modell ,,Kommas und Könige'', das inzwischen auch von immer mehr Schulbüchern und Übungs-heften übernommen wird. Das Modell gibt es im Download auf der Plattform der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) unter dem Reiter ,,Zentrum Lesen'' > ,,06 Rechtschreibung''.

Schreibwettbewerbe
Eine Welt in Unruhe und ein ruinöses Leben...
 

Zwei Schreibwettbewerbe laden derzeit dazu ein, in einer disto-pischen Welt utopische Zeilen zu verfassen:

(1) Die Schöpfung ist in Gefahr. Die Welt ist in Unruhe. Der Friede ist bedroht. Die Freiheit ist auf dem Rückzug. Wenn wir die Nach-richten lesen oder sehen, dann könnte man schon die Hoffnung verlieren. Gesucht sind Geschich-ten und Gedichte über kleine Projekte, die Hoffnung machen, die zeigen, wie man anfangen kann, die Welt mal so eben vor der eigenen Haustür zu retten.

(2) Das Leben ist ruinös. Und der Sturm geht über alles hinweg: Säulen, Pfeiler, Mauerreste... Ge-sucht sind Geschichten und Ge-dichte über solch und mehr altes Gestein. Wer weiß Spannendes zu erzählen, das den Juror*innen den Schlaf raubt?

Der Einsendeschluss für beide Wettbewerbsthemen ist der 31.05. Weitere Informationen, auch zu anderen Wettbewerben, gibt es hier.

Bildung der Zukunft -
Zukunft der Bildung
 

Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, die als unabhängige gemeinnützige Stiftung zur Grup-pe der Montag Stiftungen in Bonn gehört, engagiert sich für eine chancengerechte Alltagswelt, die Kindern und Jugendlichen best-mögliche Entwicklungschancen eröffnet. Ausführlichere Informa-tionen gibt es hier.

Gesagt  -  Gehört  -  Gelesen

     Ich möchte Deutschlehrerin werden, weil ich die Schönheit der deutschen Sprache anderen weitergeben möchte.

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— eine Deutsch-Referendarin

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       Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben genügend Zeit, um sie zu lernen.

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— Mark Twain, amerikanischer Schriftsteller

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— Albert Einstein

 Es gibt drei golde-ne Regeln, um eine Novel-le zu schreiben - leider  sind sie unbekannt.

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— William Somerset, Dramatiker

Mühilos Deutsch unterrichten - Informations- und Lernportal für Deutschunterricht

    (c) Holger Müller-Hillebrand, StD, Deusch-Fachleiter am ZfsL Aachen